Brief einer Angehörigen

Brief einer Angehörigen nach dem Tod ihrer Mutter über die Begleitung des Bad Homburger Hospiz-Dienst e. V.

„Das mag dramatisch klingen, unsere Situation war es auch, jedenfalls für uns, für Annette als Haushälterin, Eva als Vizetochter und für mich, ihre leibliche, die Mutter innig liebende Tochter.

Es gibt keine Generalprobe für solch eine Aufgabe. Eine Mutter stirbt nur einmal. Man will alles richtig machen, pflegerisch wie psychologisch. Man kann nichts wieder gut machen. Und man ist völlig überfordert mit diesem Anspruch. Das galt besonders für mich, die bereit war, alles zu geben, was in meinen Kräften stand. Und dann kamen Sie. Begrüßten meine Mutter, hörten sich aufmerksam unseren Bericht über ihren Gesundheitszustand an, zeigten uns, wie man die Dekubitus-prophylaxe noch wirkungsvoller gestalten kann und brachten uns zur Ruhe. Jetzt wussten wir wenigstens, dass wir pflegerisch nicht schlechter, ja sogar besser sein würden, als es ein Krankenhaus oder Pflegeheim sein könnte. Das tat gut.

Bei einem Ihrer späteren Besuche fragten Sie uns: „Und wenn es zu Ende gegangen ist, wissen Sie, was dann zu tun ist?“ Dann kamen die erlösenden Sätze: “Sie haben Zeit. Sie brauchen nicht gleich den Arzt zu rufen. Auch nicht das Beerdigungsinstitut. Sie können ganz ruhig Abschied nehmen. Wie ich Sie kenne, werden Sie spüren, wenn die Seele Ihrer Mutter den Körper verlassen hat.“ Damit haben Sie mich von der Angst befreit, die Seele meiner Mutter in einen Holzkasten bannen zu müssen.

Sie machten uns immer wieder Mut. „Wir sind für Sie da. Wir kommen, wann immer Sie uns brauchen. Den Anrufbeantworter hören wir immer ab.“ Sie hielten Wort, sind immer wieder gekommen, haben sich Zeit genommen für unsere Not. Ich wollte mein Versprechen halten, meine Mutter nicht allein zu lassen in ihrem Sterben. Keine Minute. Vorsichtig haben Sie uns geholfen, die schwierige Balance zu finden zwischen spürbarer Anwesenheit in ihrem Zimmer und wohltuender Abwesenheit in unseren Zimmern.

Loslassen, zulassen, dass jeder seinen Weg am Ende allein gehen muss. Diese Ruhe mussten wir meiner Mutter und auch uns ermöglichen. Das war für Annette besonders schwer, die versuchte, ihre Angst vor dem Verlust mit besonders aufmerksamer, intensiver Versorgung zu bekämpfen.

Sie haben uns und besonders mir behutsam gezeigt, dass eine Sterbebegleitung nicht nur dann liebevoll ist, wenn meine Mutter in meinen Armen sterben kann. Intensive Gespräche, behutsam tastend geführt, schenkten Klarheit, halfen den Trennungsschmerz zu lindern. Dazu bedurfte es Vertrauen. Wir haben es uns gegenseitig schenken dürfen.“

Herbst 2008

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Filmvorführung

24. Oktober 2017

"Meine Schwestern" - ein Berlinale-Film von Lars Kraume über schwesterliche Liebe und das Abschiednehmen eines geliebten Menschen

Dienstag, dem 24. Oktober 2017, um 18:00 Uhr, in den Kliniken des Hochtaunuskreises, Zeppelinstr. 20, 61352 Bad Homburg

Lesung

20. September 2017

"Bilden Sie doch mal einen Satz mit..." - Robert Gernhardt: Dichter, Lyriker, Satiriker (1937-2006)

Lesung mit Pfarrer Dietermann i.R. (Seeheim-Jugenheim), musikalisch umrahmt mit Auszügen aus Debussys Children's Corner, gespielt von Otfried Miller

Hugenottenkirche Usingen , Am Alten Marktplatz 23, 61250 Usingen